Samstag, 24. Oktober 2020

Defibrillatoreinsatz erfolgreich

Feuerwehr belebt 28-jährigen wieder

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Edingen-Neckarhausen, 14. April 2014. (red/fw) Feuerwehrleute der Abteilung Neckarhausen haben einem 28-jährigen das Leben gerettet, indem sie ihn nach einem Kreislaufstillstand wiederbelebt und einen automatisierten externen Defibrillator (AED) eingesetzt hatten. Der Vorfall ereignete sich bereits vor zwei Wochen. Da der Krankheitsverlauf erst unklar war und mit Rücksicht auf den Patienten und seine Angehörigen, ging die Feuerwehr erst jetzt damit an die Öffentlichkeit.

Archivbild vom Tag der offenen Tür der freiwilligen Feuerwehr im Juli 2013.

Archivbild vom Tag der offenen Tür der freiwilligen Feuerwehr im Juli 2013.

Information der Feuerwehr Edingen-Neckarhausen:

„Der Ablauf des Einsatzes, zu dem nicht wie üblich über Funkmelder alarmiert wurde, liest sich fast wie eine erfundene Geschichte: Ein junger Mann, bis dahin scheinbar völlig gesund, kippt in einem Geschäft plötzlich vom Stuhl, bewusstlos und reanimationspflichtig. Sein Geschäftspartner setzt sofort einen Notruf ab, aufgrund einer Sprachbarriere scheitert sein Versuch.

In seiner Verzweiflung rennt er auf die Straße und dort direkt in die Arme von Jürgen Hippe, Feuerwehrmann bei der Abteilung Neckarhausen. Dieser erledigt den Notruf bei der Rettungsleitstelle. Mehr noch: Er weiß, dass ein paar seiner Kameraden gerade im Gerätehaus in Neckarhausen beisammensitzen und verständigt sie ebenfalls über Telefon.

Inzwischen ist ein weiterer der vielen Schutzengel eingetroffen, die in dieser Geschichte eine Rolle spielen: Ein Altenpfleger, der das Geschäft betreten hat, in dem der Patient kollabiert ist, hat bereits mit Wiederbelebungsmaßnahmen begonnen.

Defibrillator zur Reanimation

Die Feuerwehrleute im Gerätehaus besetzen zwei Fahrzeuge. Eines davon ist seit Ende 2011 mit einem automatisierten externen Defibrillator (AED) ausgestattet. Diese Geräte wurden speziell dafür entwickelt, um von nicht-medizinischem Personal frühzeitig bei einer Reanimation eingesetzt zu werden. Die Feuerwehrleute führen die lebensrettende Kompression des Oberkörpers aus, zweimal geben sie nach Analyse durch das AED-Gerät einen Schock ab.

Ergebnis nach zwölf Minuten, so das Geräteprotokoll: Fünf Männer sind komplett durchgeschwitzt von den Rettungsmaßnahmen – der Patient aber lebt, sein Herz schlägt wieder. Mit Rettungswagen und Notarzt kommt er in ein Krankenhaus.

Er schwebt immer noch in Lebensgefahr, ein erneuter Kreislaufstillstand ist nicht auszuschließen und tritt noch in der Notaufnahme zweimal ein. Die Feuerwehr betreut indes seine Angehörigen bis zum Eintreffen der ebenfalls verständigten Notfallseelsorge.

Erbkrankheit führt zu Kreislaufstillstand

Im Krankenhaus gelingt es, den Patienten zu stabilisieren und die Krankheitsursache herauszufinden. Grund für den plötzlichen Kreislaufstillstand war eine seltene Erbkrankheit, die die Reizleitung am Herzen beeinflusst und meist bei jungen Männern auftritt. Nach wenigen Tagen auf der Intensivstation und der Implantierung eines Defibrillators wurde der Patient auf Normalstation verlegt – offenbar ohne bleibende Schäden.

Bei den beteiligten Feuerwehrleuten hat der Einsatz einen tiefen Eindruck hinterlassen. Ein Teil davon ist sicherlich auch der Stolz, ein Leben gerettet zu haben. Denn nach der Auswertung der Gerätedaten am nächsten Tag sind sich alle beteiligten Experten einig: Ohne den beherzten Einsatz des Ersthelfers und der Feuerwehr wäre der Patient verstorben oder hätte zumindest schwere Schäden davongetragen.

Und Bürgermeister Roland Marsch, der über den Vorfall informiert wurde, lobt in einer E-Mail an die Feuerwehrleute: „Das ist eine super Leistung der gesamten Mannschaft. Gut gemacht!“

Anschaffung des AED war goldrichtig

Kommandant Stephan Zimmer, der selbst anwesend war, sagt über den Einsatz: „Der Patient hat gleich mehrere Schutzengel gehabt. Und für uns hat sich gezeigt, dass die Anschaffung des AED nicht nur zeitgemäß, sondern goldrichtig war.“ Die Geräte wurden nach einer Spende für beide Abteilungen beschafft, die Mannschaft in speziellen Trainings darauf geschult und regelmäßig fortgebildet.

Demnächst steht die nächste Fortbildung an, in deren Mittelpunkt eine intensive Nachbesprechung dieses Realeinsatzes stehen wird. Die Ehrenamtlichen der Feuerwehr Edingen-Neckarhausen freuen sich auf die Fortbildung. Denn jetzt wissen sie: Ein Leben retten kann einfach sein. Man muss nur ein bisschen üben.“

Über Alina Eisenhardt

Alina Eisenhardt (23) ist seit 2012 freie Mitarbeiterin bei uns, macht Redaktion, schreibt Texte und ist für "Unsere Metropolregion - Newsletter" verantwortlich. Sie studiert Psychologie.