Sonntag, 25. Oktober 2020

Marodes Dach des Pestalozzi-Pavillons muss für eine halbe Million erneuert werden

„Dass es so schlecht aussieht, hätte niemand gedacht“

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Edingen-Neckarhausen, 18. September 2014. (red/ms) Der Pavillon bei der Pestalozzi-Grundschule wird inzwischen für Kleinkinderbetreuung genutzt. Das Gebäude auf Vordermann zu halten, hat in den vergangenen drei Jahren 450.000 Euro gekostet. Doch damit nicht genug: Das marode Dach ist einsturzgefährdet und muss dringend erneuert werden. Dafür sind im Haushaltsplan 50.000 Euro vorgesehen – tatsächlich wird die Sanierung aber das zehnfache Kosten.  

 

Pestalozzischule-020

Die Edinger Pestalozzischule. Das Dach ihres Pavillions ist marode. Die Sanierung kostet eine halbe Million Euro.

 

Von Minh Schredle

Bürgermeister Roland Marsch sprach von einem Schock, den er erlebt habe, als er sah, wie teuer die Sanierung werden würde:

Dass das Dach des Pavillons nicht im besten Zustand ist, wussten wir ja alle. Aber dass es so schlecht aussieht – damit hat wohl keiner gerechnet. 

Im Haushalt waren 50.000 Euro eingeplant – die Kostenkalkulation des Architekturbüros Schmucker und Partner kommt allerdings auf die stolze Summe von einer halben Million Euro. Herr Gärtner, der das Büro Schmucker und Partner im Gemeinderat vertrat, sprach davon, dass ein dringender Handlungsbedarf bestehe: Der Zustand sei so marode, dass das Dach in den nächsten drei Jahren einstürzen könnte.

Im Pavillon sind derzeit drei Kleinkindergruppen und eine Kindergruppe untergebracht – Bürgermeister Marsch sagte, er wolle sich „diesen Schuh nicht anziehen, falls da irgendetwas passiert“ und drängte den Gemeinderat zu einer zügigen Entscheidung. Eine Investition in dieser Höhe sei zwar schmerzhaft, aber alternativlos.

SPD mit fragwürdigem Antrag

Das schien die SPD anders zu sehen: Die Fraktion reichte zu diesem Tagesordnungspunkt einen Antrag ein – und wurden deswegen heftig kritisiert. Der Antrag war erst am Nachmittag vor der Sitzung beim Rathaus eingegangen. Viele Gemeinderäte hatten ihn noch gar nicht gesehen, als darüber entschieden werden sollte. Im Antrag heißt es, man stehe zu dem Beschluss, 50.000 Euro aufzuwenden. Aber:

Eine bloße Sanierung des Daches des Pavillons (bei einer halben Million Euro Kosten) ist dagegen unseres Erachtens mangels Mehrwert nicht im Sinne der Gemeinde.

Stattdessen schlug die SPD vor, mögliche Alternativen zu bedenken. Etwa den Pavillon abzureißen und am gleichen Standort Mensa und Kinderbetreuung in einem mehrstöckigen Neubau zu kombinieren. Im Antrag heißt es wörtlich:

Die SPD bittet die anderen Fraktionen ihr diesbezüglich zu folgen und die Verwaltnung zu beauftragen, eine Planung für die angedachte Lösung bis zur nächsten Sitzung zu erarbeiten. 

Bei den Fraktionen sorgte diese Bitte in Verbindung mit der kurzen Zeit, sie zu bedenken, für eine Mischung aus Verwirrung, Ungläubigkeit und Wut. Hans Stahl, der Fraktionsvorsitzende der UBL, war regelrecht entsetzt:

Ist euch überhaupt bewusst, was ihr mit einem solchen Antrag anrichtet? Es wäre fatal, so etwas zuzustimmen.

Nach all dem, was die Gemeinde den Bürgern in den vergangenen Monaten und sogar Jahren vermittelt hat, würde man „seine gesamte Glaubwürdigkeit verspielen“, wenn man jetzt „jegliche Planungen über den Haufen werfen“ würde. Was die SPD da vorhabe, stehe in einem „kompletten Gegensatz“ zu den vorangegangenen Beschlüssen und Absprachen.

Nach Kritik stimmt auch die SPD zu

Auch von den anderen Fraktionen wurde Kritik an dem Antrag geübt – allerdings lange nicht so emotional. Erstaunlicherweise stimmte nach der heftigen Kritik sogar die SPD geschlossen dafür, die Dachsanierung möglichst zügig für eine halbe Million Euro durchzuführen. Ist das auf einmal doch im Sinne der Gemeinde? Oder ist man auf einmal doch vom Mehrwert überzeugt?

Laut Bürgermeister Marsch könne man „der ganzen Sache auch etwas Positives abgewinnen“:

Immerhin haben wir nach der Sanierung für Gesamtkosten von knapp einer Million Euro eine sehr gute Unterkunft für vier Kindergruppen – mit einem Neubau wären wir nie so billig davon gekommen.  

In den vergangenen drei Jahren wurden bereits 450.000 Euro in die Sanierung des Pavillons investiert. Laut Herrn Gärtner könne man damit rechnen, dass das Gebäude nach der Dachsanierung noch mindestens zehn Jahre lang genutzt werden könne, ohne „zu große“ weitere Sanierungskosten zu verursachen.

Der Beschluss, die Sanierung schnellstmöglich und trotz der „erschreckend hohen Kosten“ durchzuführen, wurde schließlich ohne Gegenstimme getroffen. Die einzige Enthaltung kam von Angela Stelling (Die Grünen). Da sie neu im Gemeinderat ist, sei sie noch nicht in der Lage, einzuschätzen, ob „so hohe Summen normal“ seien und könne deshalb keine Entscheidung treffen.

Über Minh Schredle

Minh Schredle (22) hat 2013 als Praktikant bei uns angefangen und war seitdem freier Mitarbeiter. Von Dezember 2014 bis August 2016 hat er volontiert. Ab September 2016 ist er freier Mitarbeiter bei uns.