Sonntag, 19. Mai 2019

Vierköpfige Familie in Ladenburg zahlt 17,22 Euro - in Schriesheim 39,65 Euro im Monat

Teils drastische Preisunterschiede beim Wasser in der Region

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Rhein-Neckar, 18. Oktober 2014. (red/ld) Wer in Ladenburg lebt, kann sich am Ende des Jahres √ľber die Rechnung f√ľr den Wasserverbrauch freuen. Denn dort¬†ist Trinkwasser am billigsten. Wer in Schriesheim wohnt, bezahlt dagegen mehr als doppelt so viel, wenn er die gleiche Menge Wasser verbraucht hat. Dabei beziehen beide St√§dte ihr Trinkwasser gr√∂√ütenteils aus demselben Brunnen. Eigentlich sollte man erwarten, dass die Preise dann in beiden Kommunen doch etwa gleich sind – doch weit gefehlt.

 

Trinkwasser aus dem Hahn ist zwar viel g√ľnstiger als Mineralwasser. Trotzdem gibt es krasse Unterschiede in der Region.

Trinkwasser aus dem Hahn ist zwar viel g√ľnstiger als Mineralwasser. Trotzdem gibt es krasse Unterschiede in der Region.

 

Von Lydia Dartsch

Eine Person in Baden-W√ľrttemberg verbraucht am Tag im Schnitt 115 Liter Leitungswasser hat das Landesamt f√ľr Statistik errechnet. Auf eine vierk√∂pfige Familie hochgerechnet macht das 460 Liter am Tag. Auf das Jahr gerechnet flie√üen so 168.015 Liter oder 168 Kubikmeter durch den Wasserhahn. Die Rechnung daf√ľr bezahlen die Verbraucher in monatlichen Abschl√§gen.

Im Durchschnitt kommt eine Familie in der Region so auf eine Trinkwasserrechnung von 28,26 Euro pro¬†Monat. In Hirschberg, Hemsbach, Laudenbach, Edingen-Neckarhausen und Heddesheim beispielsweise liegt man unter diesem Durchschnittspreis. Weinheim, Ilvesheim, Mannheim, Heidelberg und vor allem Schriesheim liegen hingegen preislich dar√ľber.

Das Wasser fließt aus vielen Brunnen

Das Wasser, das in unserem Berichtsgebiet aus den Leitungen fließt, wird aus verschiedenen Brunnen gepumpt: Das Wasserwerk in Hemsbach zum Beispiel versorgt Hemsbach, Laudenbach und Weinheim mit seinen Stadtteilen bis ins Gorxheimer Tal. In Hirschberg und Heddesheim fließt das Wasser, das die Gruppenwasserversorgung Obere Bergstraße aus ihrem Brunnen auf Ladenburger Gemarkung fördert und dem eigenen Brunnenwasser zumischt, denn das ist mit zu hohen Nitratwerten belastet.

Derweil versorgen das Wasserwerk K√§fertal und das Wasserwerk Mannheim-Rheinau die gesamte¬†Quadratestadt. Von der Rheinau werden dazu noch Br√ľhl, Ilvesheim und Viernheim mit Wasser beliefert, wie Dirk Pohlmann von der MVV Energie AG auf Anfrage mitteilt. In Heidelberg kommt das Wasser aus den Wasserwerken Schlierbach, Entensee und Rauschen sowie aus dem Wasserwerk Schwetzingen Hardt, das wiederum Schwetzingen, Oftersheim und Plankstadt versorgt.

 


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In Ladenburg und Schriesheim h√§tte man √§hnlich hohe Wassergeb√ľhren erwarten sollen: Beide Gemeinden beziehen ihr Wasser aus dem Wassergewinnungsverband Lobdengau: Gleicher Verband, gleiche Preise? Weit gefehlt. W√§hrend eine vierk√∂pfige Familie in Ladenburg mit einer Wasserrechnung von nur 17,22 Euro in Monat am wenigsten ausgibt, bezahlt eine Familie in Schriesheim 39,65 Euro im Monat – und hat damit die h√∂chste Wasserrechnung in unserem Berichtsgebiet. Die Schriesheimer Preise liegen sogar deutlich √ľber dem Landesdurchschnitt von 31,35 Euro f√ľr die angenommene Menge Wasser. Eine vierk√∂pfige Familie in Schriesheim zahlt pro Jahr 269,16 Euro mehr f√ľr`s Wasser im Vergleich mit einer Ladenburger Familie.

Die Wasserpreise legen die Kommunen selbst fest: Jedes Jahr verabschiedet der Gemeinderat eine Geb√ľhrenkalkulation f√ľr das kommende Jahr. Je nach Einnahmen und Ausgaben der Wasserversorgung ergibt sich ein neuer Wasserpreis oder es bleibt beim Alten. Der Wasserpreis ist dabei von vielen Faktoren abh√§ngig.

 

abschlag wasser sauele

So hoch ist die monatliche Wasserrechnung bei einer vierköpfigen Familie im Durchschnitt. Zum Vergrößern bitte auf die Grafik klicken.

 

„Einfach zu erkl√§ren ist das nicht“, sagt der Ladenburger Stadtk√§mmerer Claus Hessenthaler auf Anfrage nach den Gr√ľnden f√ľr die niedrigen Wassergeb√ľhren. Ihn wunderten die hohen Geb√ľhren in Schriesheim nicht. In Ladenburg seien die Geb√ľhren aber schon immer sehr g√ľnstig gewesen, sagt er.

Ein Grund k√∂nnte die topografische Lage sein. Ladenburg liegt in der Ebene. Schriesheim dagegen am Hang. In Ladenburg lasse sich das Wasser relativ gut aus den Brunnen pumpen und k√∂nne ohne gro√üen Aufwand in die Haushalte verteilt werden, sagt Herr Hessenthaler. In Schriesheim dagegen m√ľsse das Wasser den Hang nach oben gepumpt werden. Daf√ľr ben√∂tige die Stadt Pumpwerke und Strom, das erzeugt zus√§tzliche Kosten.

Komplizierte Wassergeb√ľhrenkalkulation

Wasserleitungen sind ein weiterer Kostenfaktor. Diese m√ľssen regelm√§√üig gewartet und erneuert werden. „Die niedrigen Geb√ľhren liegen aber nicht daran, dass wir nicht an den Leitungen arbeiten w√ľrden“, sagt der Ladenburger K√§mmerer. Im Gegenteil: Beispielsweise werden¬†mit jeder Vergabe von Stra√üensanierungen auch die alten Rohre ausgetauscht, wie derzeit in der Nagelschmiedgasse oder in der Hauptstra√üe im vergangenen Jahr. Vor allem in der Altstadt sei das n√∂tig, sagt Gregor V√∂lker vom Tiefbauamt der Stadt: „Manche Leitungen dort sind schon rund 100 Jahre alt.“

Doch w√§hrend man in Ladenburg einfach nur den Boden aufbaggern braucht, muss man im Fall von Schriesheim die Leitungen in Fels legen. Auch dies k√∂nnte zu den hohen Kosten beitragen, sagt Herr Hessenthaler. Zu den Bau- und Wartungskosten sind auf seiner Kalkulation f√ľr dieses Jahr noch Personalkosten, Strombezug, Materialaufwand und die Unterhaltung der Wassermesser aufgef√ľhrt. Weitere Ausgaben gibt es f√ľr EDV und Computer, Versicherungen, den Verwaltungskostenbeitrag an die Stadt und Konzessionsabgaben an die Stadt.

 

abschlag wasser

Diese Wassergeb√ľhren gelten in unserem Berichtsgebiet. Rechts der errechnete monatliche Brutto-Abschlag f√ľr eine vierk√∂pfige Familie.

 

Insgesamt entstehen in Ladenburg dieses Jahr Wasserkosten von 822.600 Euro,¬†von denen Einnahmen von anderer Seite¬†in H√∂he von 45.400 Euro abgezogen werden. Die verbleibenden¬†777.200 Euro werden auf die Wasserverbraucher umgelegt. Geteilt durch den gesch√§tzten Jahresverbrauch von 673.300 Kubikmetern, kommt man so auf eine Verbrauchsgeb√ľhr von 1,15 Euro pro Kubikmeter beziehungsweise 1,23 Euro mit Mehrwertsteuer. Der Verbrauch wird dabei aus dem durchschnittlichen Verbrauch der vergangenen f√ľnf Jahre gesch√§tzt.

Interessant bei dieser Rechnung: Wenn mehr Wasser verbraucht wird, sinken die Wassergeb√ľhren. Aber erst dann, wenn die Wasserwirtschaft einen Mindesthandelsgewinn von 18.000 Euro √ľbersteigt: „Ab diesem Betrag muss der Gewinn versteuert werden. Wir geben das aber lieber an unsere B√ľrger weiter“, sagt der Ladenburger K√§mmerer. Die n√§chste Geb√ľhrenkalkulation wird in Ladenburg im Dezember vorgelegt. Aktuell hat Edingen-Neckarhausen den Trinkwasserpreis um fast zehn Prozent erh√∂ht.

√úber Lydia Dartsch

Lydia Dartsch (31) hat erfolgreich ihr Volontariat beim Rheinneckarblog.de absolviert und arbeitet nun als Redakteurin. Die studierte Politikwissenschaftlerin und Anglistin liebt Kino, spielt Gitarre und sportelt gerne.