Samstag, 10. Oktober 2020

Konzept für den Amselweg: Planung steckt noch in den Kinderschuhen

„Größte Herausforderung im Jahr 2015“

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21. November 2014. (red/ms) Aktualisiert. Das Areal am Amselweg, nahe der Pestalozzi-Schule soll in den kommenden zwei bis drei Jahren stadtplanerisch angegangen werden: Hier soll ein neuer Kindergarten entstehen und außerdem ein Wohngebiet entwickelt werden. Das ist eine große Chane – und eine mindestens ebenso große Herausforderung. 

Von Minh Schredle

Laut dem Fraktionsvorsitzenden der UBL, Hans Stahl, sei es die „größte kommunalpolitische Herausforderung 2015“. Das Interesse in der Bevölkerung ist groß: Fast 40 Zuschauer sind zur Gemeinderatsitzung erschienen – laut Bürgermeister Roland Marsch seien das „so viele wie noch nie“.

Doch die Planung steckt noch in den Kinderschuhen: Es geht um die Entwicklung des Areals um den Amselweg, nahe der Pestalozzi-Grundschule im Ortsteil Edingen.

Sanierung nicht mehr wirtschaftlich

Dort befindet sich der evangelische Martin-Luther-Kindergarten, der in keinem guten Zustand ist: Das alte Gebäude ist anfällig für Störungen, im vergangenen Jahr kam es zu Wasserrohrbrüchen. Laut Hauptamtsleiter Wolfgang Ding habe man notdürftige Sanierungsmaßnahmen getroffen. Aber:

Bei so einem alten Gebäude kann immer etwas passieren. Da repariert man etwas und ein paar Wochen später kommen die nächsten Probleme. 

Eine eigentlich überfällige Generalsanierung wird als nicht wirtschaftlich angesehen. Also soll ein Neubau her – das eröffnet die Gelegenheit, das gesamte Gebiet, das bislang kaum versiegelt ist, zu überplanen. Die Verwaltung der Gemeinde hat dafür zwei Unternehmen damit beauftragt, städtebauliche Entwürfe für das Areal um den Amselweg zu erstellen: Evohaus aus Karlsruhe und die ortsansässige Firma Troendle.

Neuer Kindergarten, neues Wohngebiet

An dem Standort sollen vier bis fünf Kindergartengruppen und ein bis zwei Kleinkindergartengruppen untergebracht werden. Außerdem soll Wohnraum geschaffen werden. Bürgermeister Marsch betonte mehrfach, dass es aktuell nur um Kenntnisnahme der grundsätzlichen Ideen ginge – „für Detailfragen ist es zum jetzigen Zeitpunkt der Planung noch zu früh“.

 

Evohaus_konzept

Die eingefärbte Fläche zeigt das betroffene Gebiet. Hierbei handelt es sich um ein Konzept der Firma Evohaus. Die Kinderbetreuung ist nahe des bestehenden Pavillons auf dem Gebiet Pestalozzi-Grundschule. Interessant: Auch die Mensa ist in das Konzept mit einbezogen und befindet sichhier auf den Parkflächen der Grossporthalle. Foto: Evohaus

 

Die Flächen, auf die sich die Planung erstreckt, haben drei unterschiedliche Eigentümer: Die Gemeinde Edingen-Neckarhausen, die Kirchengemeinde und die Pflege Schönau. Die Verwaltung hat nicht vorgesehen, alle Flächen zu erwerben, sondern strebt eine Erbpachtlösung an.

 

troendle_plan_amselweg

Im Konzept der Firma Troendle soll ein einheitlicher Platz entstehen. Der neugeplante Kindergarten ist rot eingefärbt. Das Areal soll einen einheitlichen Platz bilden. Die Bebauung in zweiter Reihe befindet sich dort, wo aktuell der Martin-Luther-Kindergarten steht. Wenn in verschiedenen Bauabschnitten vorgegangen wird, sei es laut der Firma Troendle möglich, den Betrieb im Kindergarten ohne Container-Lösung aufrecht zu erhalten. Foto: Firma Troendle.

 

In beiden Konzepten ist die geplante Bebauung nicht besonders dicht, das Areal bietet weitläufige Grünflächen und der Baumbestand soll weitgehend erhalten bleiben. Außerdem planen beide Unternehmen, die wenig beliebte Unterführung unter der OEG zu ersetzen. Die Firma Troendle will diese offenbar neu bauen und barrierefrei machen. Evohaus will einen Platz schaffen, der unter den Gleisen hindurch führt.

Ökologisch und bezahlbar?

Neben dem Kindergarten sollen dort ein Wohngebiet entstehen, die in beiden Planungen bislang sehr unterschiedlich aussahen. Evohaus setzt dabei auf Ökologie und behauptet:

Unsere Häuser sind so energieeffizient und der Verbrauch ist so niedrig, wie sie sich es irgendwie nur vorstellen können. 

Laut Angaben der Firma hätte man auf 100 Quadratmetern Wohnfläche mit jährlichen Heizkosten in Höhe von 200 Euro zu rechnen. Etwa 60 Prozent der benötigten Energie würden angeblich durch das Haus selbst erzeugt werden. Dabei benötige es keine fossilen Energiequellen.

 

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Ein 3D-Modell des Konzeptes der Firma Evohaus. Foto: Evohaus

 

Gerd Brecht, der Fraktionsvorsitzende der Grünen, lobte diesen Ansatz. Er sagte aber auch:

Wir brauchen unbedingt neue Wohnungen in der Metropolregion und die bekommen wir voraussichtlich. Aber ob wir auch bezahlbaren Wohnraum schaffen können?

Zum derzeitigen Stand der Planung, die noch ganz am Anfang stehe, mache es noch wenig Sinn, so sehr ins Detail gehen zu wollen, sagte Roland Marsch. Der Bürgermeister lobte beide Präsentationen und Konzepte als sehr professionell. Man habe auf die richtigen Pferde gesetzt.

Keine Präferenz erkennbar

Es ergab sich bislang nicht der Eindruck, dass es im Gemeinderat schon eine Präferenz für eines der Unternehmen gibt. Allerdings waren bislang auch nur Verständnisfragen und keine zum konkreten Inhalt vom Bürgermeister zugelassen – bei Bürgern wie Gemeinderäten.

 

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Beispiele von Evohaus für bereits von der Firma realisierte Kinderbetreuungseinrichtungen. Foto: Evohaus.

 

Konsens bestand eindeutig darüber, dass man zügig vorzugehen habe. Evohaus spricht davon, dass bei einer schnellen Vergabe eine Inbetriebnahme der Einrichtung zu Beginn des Kindergartenjahres 2016/2017 realistisch sei. Troendle äußerte sich dazu nicht.

Kommen Container?

Möglicherweise wird während der Baumaßnahmen eine Übergangslösung mit Containern nötig sein, um die Betreuung der Kinder während der Baumaßnahmen fortsetzen zu können.

Doch das will man eigentlich verhindern. Container bringen hohe Kosten ohne einen nachhaltigen Nutzen zu bringen und bieten zudem nicht gerade die Atmosphäre, die man normalerweise einem Kind zum Aufwachsen wünscht.

Im Konzept von Evohaus findet sich bislang kein Ansatz, wie man den Betrieb im aktuellen Kindergartengebäude am Laufen halten könnte. Die Firma Troendle hat vorgeschlagen, in mehreren Bauabschnitten vorzugehen und dabei zuerst den Kindergartenneubau zu verwirklichen, während der Martin-Luther-Kindergarten so lange noch in Betrieb bleibt.

Finanzierung noch unklar

Evohaus will die Kosten für Planung und Realisierung selbst übernehmen und die Einrichtung anschließend an die Gemeinde vermieten, die in diesem Fall vermutlich die Kirche als Träger beauftragen würde. Im Wohngebiet würde Evohaus dann als Vermieter auftreten.

Von Seiten der Firma Troendle hieß es, man könne „sich alles vorstellen“. Das heißt, dass die Firma Vermieter bleiben könnte, aber auch, dass sie das fertige Gebiet an die Gemeinde veräußert oder sogar, dass die Firma nur die Planung erstellt und ein anderer Investor gesucht wird.

Im Frühjahr soll eine öffentliche Veranstaltung stattfinden, in der es nicht nur um reine Informationen gehen soll und in der die Bürger beteiligt werden. Hier sollen nicht nur Verständnisfragen gestellt werden dürfen, sondern auch Meinungen geäußert werden. Ein Termin wird noch festgesetzt.

Anmerkung der Redaktion: Aktualisiert: Inzwischen hat die Firma Troendle uns ebenfalls Bildmaterial zukommen lassen. Es wurde im Beitrag aktualisiert. 

 

Über Minh Schredle

Minh Schredle (22) hat 2013 als Praktikant bei uns angefangen und war seitdem freier Mitarbeiter. Von Dezember 2014 bis August 2016 hat er volontiert. Ab September 2016 ist er freier Mitarbeiter bei uns.