Sonntag, 27. September 2020

Staufermedaille 2013

Hohe Auszeichnung fĂŒr Erwin Hund

A - Hohe Ehrung fĂŒr Erwin Hund - Stauffer-Medaille - Erwin Hund & Minister Friedrich

Minister Peter Friedrich (rechts) ĂŒberreicht Erwin Hund die Staufermedaille. Foto: Staatsministerium BW

 

Edingen-Neckarhausen, 19. September 2013. (red/pm) Der langjĂ€hrige Vorsitzende der IGP Interessengemeinschaft Partnerschaft Edingen-Neckarhausen Plouguerneau, Erwin Hund, wurde am 16. September fĂŒr sein Engagement im Bereich europĂ€ische Jugendbegegnungen mit der „Staufermedaille“ des Landes Baden-WĂŒrttemberg ausgezeichnet. [Weiterlesen…]

BegrĂŒĂŸung der französischen Jugendgruppe

27 Jugendliche aus Plouguerneau zu Gast

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Die 27 Jugendlichen aus Plouguerneau und ihre Betreuer. Foto: IGP Interessengemeinschaft Partnerschaft -Plouguerneau e.V.

 

Edingen-Neckarhausen, 22. August 2013. (red/pm) Am 15. August kam die Jugendgruppe aus Plouguerneau in Edingen-Neckarhausen an. [Weiterlesen…]

Alfred Grosser besuchte das Schloss Neckarhausen

„Eine lange, schwierige AufklĂ€rungsarbeit“

Alfred Grosser war einer der Wegbereiter des deutsch-französischen Freundschaftsvertrags vor 50 Jahren. Fotos: Reinhard Lask

 

Edingen-Neckarhausen, 25. September 2012. (red/la) Seit 2003 haben sie den berühmten Politikwissenschaftler und Wegbereiter des Elyséevertrags Alfred Grosser ins Schloss Neckarhausen eingeladen. Am Samstag hatte Erwin Hund, Vorsitzender der Interessengemeinschaft Partnerschaft Edingen-Neckarhausen-Plouguerneau (IGP), es geschafft. Neben der deutsch-französischen Freundschaft, die der 87-Jährige lieber „Aufklärungsarbeit“ nennt, und einem Ländervergleich streifte der Publizist beinahe jede Facette der Europapolitik.

Von Reinhard Lask

Zunächst gratulierte der Gast dem IGP für die seit 1967 bestehende Städtepartnerschaft mit Plouguerneau in der Bretagne. „Ein kleines Mosaikstück“ im deutsch-französischen Netzwerk sei es, dass in diesem Jahr auch einen runden Geburtstag feiert.

Vor 50 Jahren unterschrieben der deutsche Bundeskanzler Konrad Adenauer und der französische Präsident Charles de Gaulle auch den deutsch-französischen Freundschaftsvertrag, der nach dem Ort der Unterschrift, dem französischen Präsidentenpalast, „Elyséevertrag“ bekannt wurde. Doch der offizielle Freundschaftsvertrag stellte laut Grosser nur den zweiten Schritt der deutsch-französischen Annäherung nach dem Zweiten Weltkrieg dar.

Unten hat alles zuerst begonnen, bevor die Politik kam. Ich würde es auch nicht deutsch-französische Freundschaft nennen, sondern eine lange, schwierige Aufklärungsarbeit nennen.

Anfang der 1950er Jahre waren sich die Städte noch nicht sicher, ob eine Partnerschaft mit dem Kriegsgegner von der Bevölkerung gewollt war. Bayreuth zum Beispiel ging Grosser zufolge pragmatisch vor:

Man wollte es nur machen, wenn die Mütter und Witwen gefallener Soldaten dem zustimmten.

Also fuhren diese nach Frankreich, um die dortigen Mütter und Witwen zu treffen. Man begegnete sich mit offenen Armen und weinte gemeinsam um die Toten. Die Partnerschaft konnte beginnen. So wuchsen die einstigen Gegner schnell zusammen. Auch politisch war schon vor dem Elyséevertrag schon einiges passiert.

Bis 1945 hatte Frankreich keinen Feind außer Deutschland. Am Ende der Vierten Republik hatte es keinen Freund außer Deutschland.

fasste Grosser zusammen. Bereits Ende der 1950er-Jahre gab es keinen ernsthaften Konflikt mehr mit Deutschland. „Unterschiedliche Ansichten schon“, präzisiert Grosser. Als der Suezkonflikt 1956 ausbrach und Frankreich sich international diskreditiert, unterstütze nur Deutschland Frankreich. Der damalige deutsche Atomminister Franz Josef Strauß diskutierte damals mit dem Nachbarn sogar über eine atomare Zusammenarbeit.

Ganz uneigennützig sei die politische Annäherung nicht gewesen, da Präsident Charles de Gaulle geopolitische Interessen verfolgte:

Frankreich wollte Deutschland von den USA trennen.

Das funktioniert zwar nicht, aber der Elyséevertrag ließ die Länder politisch zusammenrücken. Der Vertrag sah vor, sich mindestens zwei Mal pro Jahr zu treffen und auszutauschen. Es wurde aus Sicht von Grosser eine gute Zusammenarbeit.

Bei der Freundschaft wird gespart

Heute jedoch könnte der Zustand der Städtepartnerschaften besser sein, sagte Grosser. Oft bestehe die Partnerschaft nur aus Pflichtbesuchen. Ganz gut hingegen laufe noch der Schüleraustausch. Das größte Problem sei hier aber, dass die Schüler die andere Sprache nicht gut können. Schuld daran seien vor allem Sparmaßnahmen. In Frankreich werde der Deutschunterricht zusammengestrichen, klagte Grosser. Man spare Stellen:

In Hamburg ist der Generalkonsul zum Beispiel zugleich Direktor des Deutsch-Französischen Instituts.

Es gebe jedoch auch Beispiele die Hoffnung machen: Die Stadt Bordeaux habe seine deutsche Bibliothek durch eine gemeinsame Anstrengung von Stadt, Departement und Spendern erhalten können. Es sei leider das einzige Beispiel dieser Art, das er kenne. Wichtig sei so etwas allemal, denn:

Je mehr man über den anderen weiß, desto weniger Vorurteile hat man.

Neben der Freundschaft hat der Publizist auch mit dem Begriff „Erbfeind“ ein Problem. Er sei schlicht Unsinn. Deutschland war nie der Feind Frankreichs, denn die hießen Großbritannien, das von den den Habsburgern regierte Österreich-Ungarn und allen voran Preußen. Der Zweite Weltkrieg werde in Frankreich zudem nicht als Völkerkrieg gegen „die Deutschen“, sondern als Krieg gegen das Hitlerregime gesehen.

Zudem wünscht sich Grosser, dass sich das gemeinsame Gedenken ändert. Bei den Feierlichkeiten stünde immer der Erste Weltkrieg im Vordergrund. Man gedenke zwar der Toten von Verdun oder in Reims, aber der 87-Jährige träumt vom gemeinsamen Gedenken in Dachau.

Dort wo Deutsche und Franzosen umgebracht wurden, weil sie gegen Hitler kämpften.

Unterschiede zwischen den Nachbarn

Auch wenn sich die beiden Länder sehr nahe stehen, gäbe es einige interessante Unterschiede in Politik und Gesellschaft. Beispiel Atompolitik: Frankreich hat die Atomenergie und Atomwaffen immer anders gesehen als sein Nachbar. In Frankreich wurde ein Kommunist der erste Chef der französischen Atombehörde und man diskutiert über französische U-Boote, deren Atomwaffen Nahoststaaten abschrecken.

Atom ist in Deutschland nur Hiroshima und Fukushima.

Auch die politische Linke habe sich völlig unterschiedlich entwickelt:

In Deutschland entstand die Linke als Splitterpartei einer Splitterpartei.

Erst spaltete die sich die USPD von der SPD ab und aus der USPD die Kommunisten. Anders in Frankreich, wo die Sozialisten zu Kommunisten wurden und viele französische Minister Kommunisten waren. Unvorstellbar in Deutschland. In Frankreich sei man da viel entspannter und schaue weniger auf die Gesinnung als das Können.

Schlecht hingegen sei in beiden Ländern, dass immer mehr Menschen arm sind.

Das kann mal Explosionen geben, wenn Menschen nicht mehr mitmachen können. Besonders wenn sie sehen, dass wer 100 Euro klaut, bestraft wird, aber wenn man eine Million Euro unterschlägt, dann nicht.

In dem Zusammenhang geißelte Grosser auch den Fall Sarrazin (SPD). Sarrazins Buch lege ein erschreckendes Ausmaß an sozialer Verachtung an den Tag.

Den hätte man am ersten Tag nach Erscheinen des Buches aus der Partei schmeißen müssen.

Europa wird schlechtgeredet

Ganz besonders ärgert ihn jedoch, dass man in Deutschland Europa schlecht rede. Wenn Schäuble sage, dass Deutschland verliert, wenn der Euro weg ist, berichten Medien doch immer nur das Schlechte. Selbst der Chefredakteur der Zeit habe gesagt, dass Europa keine Zukunft habe.

Alles, was schlecht ist, kommt bei Journalisten immer aus Europa, Gutes immer aus Berlin und Paris.

Von den Bürokraten in Brüssel sei da immer die Rede.

Dabei gibt es in Brüssel weniger Bürokraten als in Hamburg.

Wenn es keinen Euro mehr gibt, gibt es keinen deutschen Export mehr und Frankreich wäre pleite. Goldman Sachs hat Griechenland dabei beraten, sich in den Euro zu mogeln. Jetzt wettet die Zocker gegen diesen Staat, so Grosser.

Die Zukunft Europa sieht Grosser nicht rosig. Es verliere weltweit an Bedeutung. Schon heute würden sich Inder fragen „Wer ist Europa?“ Dabei sollte Europa so stark sein, dass es China Paroli bieten kann. Das Verhältnis zwischen Deutschland und Frankreich sähe da besser aus. Auch wenn der Austausch schon bessere Zeiten gesehen habe, ist Deutschland in Frankreich ein Vorbild. Es gebe nur weniger Intellektuelle, die eine antideutsche Haltung hätten.

Man hat Hochachtung vor Angela Merkel. Sie ist die beliebteste Deutsche nach Steffi Graf.

Allerdings könne er politisch die Deutschen mitunter nicht verstehen. Einerseits wollten sie den Parlamentarismus retten, aber auch Volksentscheide haben. Auch bei den Banken habe Deutschland einen großen Vorteil:

Wenn man von Banken spricht, sollte man nicht von der Deutschen Bank sprechen, sondern Volksbanken und Sparkassen hervorheben. Die sind das Blut des deutschen Mittelstandes. So was haben wir in Frankreich leider nicht.

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JubilÀumsabend der Deutsch-Französischen Partnerschaft

Alfred Grosser spricht zu musikalischer Umrahmung

Der bekannte Publizist und Soziologe Alfred Grosser ist am 22. September 2012 zu Gast beim IGP e. V. Quelle: Pressefoto Gemeinde Edingen-Neckarhausen.

Edingen-Neckarhausen, 06. September 2012. (red/pm) Wir freuen uns am Vorabend des 50-jÀhrigen Bestehens des Deutsch-Französischen Vertrages und des JubilÀumsjahres unserer Partnerschaft, eine der wegweisenden Persönlichkeiten der deutsch-französischen VölkerverstÀndigung seit 1945 in Edingen-Neckarhausen zu Gast zu haben.

Information der Gemeinde Edingen-Neckarhausen:

„Alfred Grosser, der bekannte Politologe und Publizist, kommt als Gast der IGP zu einem Vortrag ins Schloss Neckarhausen. Thema des Abends: „50 Jahre Deutsch-Französischer Vertrag und DFJW – trotz Krise, die Zivilgesellschaft macht weiter“.

Die Veranstaltung beginnt um 19.00 Uhr. Wir werden vom besten Kenner beider LĂ€nder Interessantes ĂŒber die deutsch-französischen Beziehungen erfahren. Wir sind auch gespannt auf seine EinschĂ€tzung, wie die Zivilgesellschaft trotz der aktuellen Krise weitermachen soll und welche Rolle dabei die StĂ€dtepartnerschaften spielen können. Wir freuen uns ĂŒber die einmalige Chance, Alfred Grosser zu hören und mit ihm in Dialog zu treten. Eine weitere Gelegenheit fĂŒr uns alle, mehr ĂŒber unsere französischen Nachbarn zu erfahren und unser Partnerland noch besser kennen und verstehen zu lernen.

Die Veranstaltung wird von der deutsch-französischen SÀngerin Anabelle Hund und dem Pianisten Marcus Rau musikalisch umrahmt. Sie werden unserem Gast und uns französische und deutsche Chansons prÀsentieren.

Wir haben allen IGP-Mitgliedern bereits eine Einladung zugestellt. Da die Teilnehmerzahl begrenzt ist, werden die Anmeldungen entsprechend ihres Eingangs berĂŒcksichtigt. Senden Sie die Anmeldung bitte an folgende Adresse: IGP e.V., BrĂŒckenstraße 9, 68535 Edingen-Neckarhausen, gerne auch per E-Mail: igp@igp-jumelage.de (Betreff: A. Grosser). SchĂŒler und Studenten sind besonders willkommen.

Wir freuen uns auf eine denkwĂŒrdige Veranstaltung fĂŒr unsere Partnerschaft.

Alfred Grosser  ist deutsch-französischer Publizist, Soziologe und Politikwissenschaftler. Er studierte Politikwissenschaft und Germanistik und war ab 1955 Inhaber eines Lehrstuhls am Institut d’Ă©tudes politiques de Paris (Sciences Po) in Paris. 1992 wurde er als Studien- und Forschungsdirektor an der „Fondation Nationale des Sciences Politiques“ emeritiert. Alfred Grosser war ab 1965 Mitarbeiter zahlreicher Zeitungen und Fernsehanstalten. Unter anderem schrieb er politische Kolumnen fĂŒr La Croix und Ouest France.

Er setzte sich sehr fĂŒr die deutsch-französische VerstĂ€ndigung ein und hat sich in der Nachkriegszeit bis in die Gegenwart fĂŒr die deutsch-französischen Beziehungen engagiert. Er war einer der intellektuellen Wegbereiter im Vorfeld des „ElysĂ©e-Vertrags“ und bei der GrĂŒndung des Deutsch-Französischen Jugendwerks (DFJW). Bei zahlreichen Reisen und VortrĂ€gen in Deutschland und Frankreich hat er an der Aussöhnung beider NachbarlĂ€nder mitgewirkt und sie gefestigt.“

Info & Kontakt

Erwin Hund, Telefon: 06203/180501
Klaus Merkle, Telefon: 06203/2730
E-Mail: igp@igp-jumelage.de
www.igp-jumelage.de