Donnerstag, 29. Juli 2021

Kommt die Mensa in sechs Monaten oder doch erst in drei Jahren?

Sporthalle bleibt Speisesaal der Pestalozzischüler

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Edingen-Neckarhausen, 20. März 2014. (red/ms) Die Verpflegungslage an der Pestalozzi-Schule ist schlecht und eine schnelle Lösung muss her – darüber ist man sich im Gemeinderat einig. Doch statt zu einem Konsens zu kommen, spalteten sich die Lager immer weiter. Es wurde klar, dass eine zügige Lösung vorerst Wunschvorstellung bleibt. Einen zwei Millionen Euro Neubau wollen derzeit die Wenigsten. Stattdessen soll nun in Zusammenarbeit mit der Schulleitung und den Elternvertretern eine bessere Lösung gefunden werden – und das dauert seine Zeit. Eine Entscheidung wird aller Wahrscheinlichkeit nach erst nach der Kommunalwahl getroffen.

Pestalozzischule-020

Von Minh Schredle

Im vergangenen Monat gab es eine Sondersitzung des Gemeinderates, die ausschließlich die Einrichtung einer Mensa in der Pestalozzi-Grundschule zum Thema hatte. In einer Machbarkeitsstudie wurden denkbare Varianten vorgestellt. Die zuständige Planungsgesellschaft Schmucker und Partner hält lediglich einen Neubau für sinnvoll.

Dieser soll in der kleinsten Ausführung 1,65 Million Euro kosten. Mit einer guten Küche 1,9 Million Euro. Und wenn man den Neubau nicht mitten auf der Grünfläche des Schulhofes stehen haben will, noch einmal knapp 250.000 Euro mehr kosten.

Denn laut den Planern seien die einzig anderen Standorte, an denen die Mensa noch denkbar wäre, einer der Sportplätze hinter der Schule. Dort müssten die Zäune entfernt und das Fundament ausgetauscht werden. Insgesamt könnten so Kosten von über zwei Million Euro entstehen – in der Finanzplanung sind aber nur 1,25 Millionen Euro veranschlagt.

Bürgermeister vs. Gemeinderat

Die Stimmung im Gemeinderat ist angespannt, die Lager gespalten. Bürgermeister Roland Marsch will das Thema möglichst schnell umgesetzt wissen. Einige Gemeinderäte fühlen sich von ihm gedrängt und wehren sich. In der vorangegangen Sitzung hatte Herr Marsch angekündigt, noch im März darüber abzustimmen – viel zu überhastet, findet die Mehrheit der Gemeinderäte. Schließlich war der Bürgermeister von dem Vorhaben abgewichen und hatte keinen Beschlussvorschlag auf die Tagesordnung gesetzt – mit einer geradezu „empörenden Wortwahl“, wie Gerhard Hund, der Fraktionsvorsitzende der CDU, findet:

Herr Marsch hat wörtlich gesagt, er habe uns „zugestanden“, heute auf die Abstimmung zu verzichten. So geht man nicht mit einem Gemeinderat um – das ist ein ziemlich entrücktes Verhältnis zu Demokratie.

Überhaupt sei sehr vieles ganz anders gelaufen, als der Gemeinderat es geplant habe, sagte Herr Hund im Weiteren. Man habe beschlossen prüfen zu wollen, wie man mit etwa 1,2 Million Euro eine solide Verpflegung umsetzen könne. Dabei gelte der Grundsatz: Sanierung vor Neubau.  Jetzt rede man plötzlich über eine über zwei Millionen Euro teure Mensa, die mit drei zusätzlichen Betreuungsräumen, irgendwo auf dem Schulcampus neu gebaut werden soll.

Warum drei Betreuungsräume?

Die drei zusätlichen Betreuungsräume, die in allen sechs Varianten der Planer mit enthalten sind, verwirrten auch die UBL. Stephan Kraus-Vierling sagte dazu:

Das hat der Gemeinderat doch gar nicht beschlossen. Und diese drei Räume mehr machen mehr als ein Drittel der gut 500 Quadratmeter großen Fläche aus. Wenn die Mensa nur gut 300 Quadratmeter groß wird, sind vielleicht noch ganz andere Alternativen denkbar. Wie kommt es, dass in jeder Planung diese Zusatzräume vorhanden sind?

Die Antworten auf diese Fragte waren widersprüchlich. Herr Gärtner, der in der Gemeinderatsitzung die Planer vertrat, sagte, das sei ein Teil der Aufgabenstellung gewesen. Bürgermeister Marsch sagte, er habe es für eine Rechtsvorschrift gehalten und daher nichts dagegen eingewendet. Aber in der Aufgabenstellung sei keine Rede von drei Zusatzräumen gewesen.

Bringen andere Experten bessere Ansätze?

Es zeigte sich eine große Unzufriedenheit mit den Planern, viele äußerten offene Kritik.  Michael Bangert von der SPD fragte, wie viel billiger ein Neubau wäre, wenn man auf die drei Betreuungsräume verzichten würde. Herr Gärtner konnte dazu keine Angaben machen. Nicht einmal eine grobe Schätzung.

Gerhard Hund schlug vor, vielleicht noch eine zweites Planerteam zu beauftragen. Möglicherweise seien die Ergebnisse dann zufriedenstellender. In der Sitzung wurde vor allem eines klar: Der Gemeinderat ist momentan noch weit von einer Entscheidung entfernt.

Es wurde sogar in Frage gestellt, ob man überhaupt eine Mensa braucht. Schließlich sei das vorläufige Ziel des Gemeinderats eine solide Verpflegung zu gewährleisten, sagte Gerd Brecht, Fraktionsvorsitzender der Grünen.

Mehrheit gegen Neubau

Aus den Stellungnahmen der Fraktionen wurde klar, dass eine Mehrheit derzeit gegen einen Neubau ist. Die Entwicklung der Ganztagesschule sei noch sehr ungewiss, bislang gäbe es auch nur vage Schätzungen, wie viele Kinder in zwei Jahren überhaupt ein Mittagessen in der Schule wollen, sagte Herr Hund. Vielleicht könne man auch irgendwie die Räumlichkeiten des Horts mit einbeziehen, hieß es aus den Reihen der SPD.

Die UBL sprach sich dafür aus, einen runden Tisch einzurichten und zusammen mit der Schulleitung, Elternvertretern und eventuell weiteren Experten nach besseren Lösungen zu suchen. Vielleicht könne man ein Gesamtkonzept entwickeln, in dem auch das JUZ, die Kegelbahn und die Gaststätte enthalten sind – schließlich müsse man das irgendwann auch angehen. Der Fraktionsvorsitzende Hans Stahl sagte:

In Weinheim hat man es im Heisenberg-Gymnasium geschafft, eine Mensa für 500.000 Euro einzurichten. Im KFG in Heidelberg hat man es für 650.000 Euro geschafft. Das sind ganz andere Dimensionen. Ich bin sicher, auch in Edingen gibt es kostengünstige und gute Lösungen. Wir sind nicht die ersten, die eine Mensa bauen wollen. Vielleicht sollten wir uns jemand mit viel Erfahrung ins Boot holen.

Am 25. Mai finden die Kommunalwahlen statt. Bis dahin wird es vermutlich zu keiner Entscheidung kommen. Sieben der 22 aktuellen Gemeinderäte werden nicht mehr zur Wahl antreten. Mindestens ein Drittel wird also ausgetauscht. Die Entscheidung würde dann von einem ganz anderen Gemeinderat getroffen. Bis zur Einigung müssen die Schüler weiterhin in der Sporthalle essen.

Über Minh Schredle

Minh Schredle (22) hat 2013 als Praktikant bei uns angefangen und war seitdem freier Mitarbeiter. Von Dezember 2014 bis August 2016 hat er volontiert. Ab September 2016 ist er freier Mitarbeiter bei uns.