Sonntag, 05. Dezember 2021

Gemeinderat verabschiedet 107 Jahre kommalpolitischer Erfahrung

„Wir können mit Stolz darauf zurückblicken, was wir erreicht haben“

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Edingen-Neckarhausen, 04. Juli 2014. (red/ms) Der alte Gemeinderat ist ein letztes Mal zusammengekommen. Ab dem 16. Juli wird das neue Gremium tagen. In dieser letzten Sitzung verabschiedete sich Bürgermeister Roland Marsch von den neun ausscheidenden Mitgliedern und lobte sie für ihre „herausragende Arbeit“: Sie alle dürften stolz sein, auf das, was sie erreicht haben.

Von Minh Schredle

Der alte Gemeinderat befasste sich in seiner letzten Sitzung nicht mehr mit politischen Themen, sondern lediglich mit Formalitäten. Zunächst wurden fünf Gemeinderäte von Bürgermeister Roland Marsch für ihr kommunalpolitisches Engagement mit einer Ehrung ausgezeichnet.

Für zehn Jahre als Gemeinderat wurden Stephan Kraus-Vierling (UBL), Ulrike Janson (Die Grünen) und Christian Volk (fraktionslos) geehrt. Stephan Kraus-Vierling ist von diesen dreien der einzige, der dem Gemeinderat weiterhin angehören wird.

Irene Daners und Thomas Zachler von der SPD sind sogar bereits seit 20 Jahren im Gemeinderat. Sie wurden ebenfalls mit einer Ehrung ausgezeichnet. Beide wurden am 25. Mai wiedergewählt und werden dem Gremium somit voraussichtlich noch mindestens weitere fünf Jahre angehören.

 

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Thomas Zachler (links) und Irene Daners werden von Bürgermeister Roland Marsch (rechts) für 20 Jahre kommunalpolitische Tätigkeit ausgezeichnet.

 

Anschließend trug der Bürgermeister eine Rede vor. Er verabschiedete sich von den neun Kollegen, die dem neuen Gemeinderat nicht mehr angehören werden.

Er bedankte sich bei allen für ihr außergewöhnliches Engagement und ihren Willen, sich für das Wohl der Gemeinde einzusetzen. Das Amt sei herausfordernd und belastend:

Gerade als Gemeinderat sind der ehrenamtliche Einsatz und auch der Zeitaufwand besonders groß. Stundenlange Sitzungen in den Abendstunden bis in die Nacht hinein, sazu kommen noch zahlreiche gesellschaftliche Verpflichtungen.

Dennoch gäbe es aber auch Lohnenswertes: Etwa, wenn man mitverfolgen kann, wie ein altes desolates Viertel ansehnlich wird oder erkennt, wie eine Stadt wächst. Er sagte:

Ich hoffe, dass bei Ihnen im Rückblick in erster Linie die schönen Dinge überwogen haben und sie diese in Erinnerung behalten. Ich hoffe, dass die Genugtuung, etwas wirklich Nützliches zu leisten, nicht für sich selbst, sondern für die Allgemeinheit, bei Ihnen allen überwiegt.

 

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Der Bürgermeister überreicht den ausscheidenden Gemeinderäten Urkunden und Präsente. Von links nach rechts: Antonio Trezza (CDU), Gerhard Hund (CDU), Heidi Gade (CDU), Inge Honsel (CDU), Ulrike Janson (Die Grünen), Bettina Schroth (SPD), Ednrik Ebel (SPD), Lisa Schild (Die Grünen), Christian Volk (fraktionslos), Bürgermeister Roland Marsch

 

Ausführlich bedankte sich der Bürgermeister bei Heide Gade von der CDU, die dem Gremium ganze 34 Jahre angehörte und die vergangenen 25 Jahre seine erste Stellvertreterin war. Er lobte sie dafür, ihre Aufgabe hervorragend erfüllt zu haben und bedankte sich mehrfach bei ihr:

Ich denke, sagen zu können: Sie waren die Idealbesetzung für dieses Amt.

Nachdem der Bürgermeister seine Ausführungen beendet hatte, wurden den ausscheidenden Mitgliedern Präsente überreicht. Danach wurde den Fraktionen Gelegenheit gegeben, ebenfalls ein paar Worte zu verlieren.

„Frau Gade repräsentierte unserere Gemeinde wie eine First Lady“

Georg Schneider aus der Fraktion der CDU verabschiedete sich nicht nur von seinen vier Kollegen aus der CDU, sondern auch von allen anderen Gemeinderäten, die das Gremium verlassen.

Über seine Kollegin Heidi Gade sagte er, sie habe die Gemeinde stets „wie eine First Lady repräsentiert“, was dieser sichtlich schmeichelte.

Wird Herr Schneider der neue Fraktionsvorsitzende der CDU?

Vermutlich ist der Umstand, dass Georg Schneider seine Kollegen verabschiedet, ein kleiner Hinweis darauf, dass er der neue Fraktionsvorsitzende der CDU wird. Von ehemals acht Gemeinderäten der CDU sind nur noch drei weiterhin im neuen Gemeinderat. Auch Gerhard Hund, der bisherige Fraktionsvorsitzende, ist nicht mehr zur Wahl angetreten.

Bei der Kommunalwahl erlangte Georg Schneider die meisten Stimmen überhaupt, außerdem hat er im Gegensatz zu vielen seiner baldigen Fraktionskollegen bereits jahrelange Erfahrung als Kommunalpolitiker.

„Herr Ebel war ein Segen für den Gemeinderat“

Endrik Ebel war die vergangenen fünf Jahre für die SPD im Gemeinderat tätig. Bei den Kommunalwahlen kandidierte er nicht mehr. Er begründete das damit, weil ihn sein neues Amt als Schulrat zeitlich zu sehr beanspruchen würde als dass er weiterhin gewissenhaft die Aufgaben eines Gemeinderats erfüllen könnte.

Herr Ebel ist ehemaliger Rektor der Pestalozzi-Grundschule. Der Fraktionsvorsitzende der SPD, Thomas Zachler, bezeichnete es als einen Segen, einen absoluten Experten für alle Schulfragen im Gremium gehabt zu haben und drückte aus, dass es ein großer Verlust sei.

Im Weiteren sagte Herr Zachler zu all seinen Kollegen, dass man stolz sein könne, gemeinsam viel erreicht zu haben:

Auch wenn es immer mal wieder strittige Situationen gab, hat man sich am Ende immer aussprechen können. Mir war immer klar, dass jedem einzelnen hier das Wohl der Gemeinde am Herzen liegt.

Letztendlich habe man immer kooperiert und alle waren bemüht, die bestmögliche Lösung zu finden.

„Schade, dass sie nicht mehr dabei sind.“

Gerd Brecht ist der einzige Grüne, der wiedergewählt wurde. Die anderen beiden, Ulrike Janson und Lisa Schild traten nicht mehr für die Offene Grüne Liste an. Der Fraktionsvorsitzende lobte Ulrike Janson für ihre Bürgernähe und ihren Sachverstand. Er bezeichnete es als „schade, dass sie dem Gemeinderat nicht mehr angehört – unabhängig von der Farbe“.

Damit spielte er darauf an, dass Frau Janson bei den Kommunalwahlen nicht mehr auf der Liste der Grünen, sondern auf der der SPD angetreten ist. Sie wurde knapp nicht wiedergewählt.

 

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Bürgermeister Roland Marsch: „Sie alle können mit Stolz darauf zurückblicken, was sie erreicht haben“.

 

Lisa Schild war das jüngste Mitglied des Gemeinderats. Es sei sehr wichtig gewesen, bei Streitfragen auch jemanden zu haben, der die Interessen der Jugend versteht, sagte Gerd Brecht. Außerdem habe sie das Gremium mit einem frischen Wind belebt.

Der Fraktionsvorsitzende lobte auch die anderen Kollegen, dafür dass auch bei den kontroverstesten Diskussionen stets ein vertretbarer Umgangston beibehalten wurde.

„Dank der Bürger war es wert“

Zuletzt sprach Frau Gade von der CDU. Sie bedankte sich für die vielen lobenden Worte, die sie zu hören bekommen hat und betonte:

Wenn man eine Arbeit mit Freude angeht, wird sie nie zur Belastung.

Auch wenn die Sachverhalte häufig sehr kompliziert gewesen sein und ihr Vieles abverlangt hätten, sei es der Dank der Bürger immer wert gewesen. Man könne mit Stolz auf das zurückblicken, was man erreicht habe.

Über Minh Schredle

Minh Schredle (22) hat 2013 als Praktikant bei uns angefangen und war seitdem freier Mitarbeiter. Von Dezember 2014 bis August 2016 hat er volontiert. Ab September 2016 ist er freier Mitarbeiter bei uns.